Nun möchte ich doch als Betroffener auch meine Meinung zu diesem ernsten und wichtigen Thema beitragen und meine Erfahrungen preisgeben. Vorausgehend möchte ich allerdings erwähnen daß ich mich immer noch in Therapie befinde.

Noch vor wenigen Jahren äußerten sich meine bisherigen Erfahrungen in dem Satz: "Ein guter Hund hat ein Einschussloch!" Kannte ich doch nur fettgefütterte Bettelviecher die, liebevoll auf dem Sofa drapiert, die Wohnungseinrichtung komplettierten und jeden Besucher sofort freundlich ins Bein bissen (oder ans bein p......), oder Angeberviecher, die durch Herrchen, in Ermangelung eigener Fähigkeiten, zu Killermaschinen auf dem Hundeplatz erzogen wurden, um dann als Gefahr für die eigene Familie umgehend "entsorgt" zu werden.
Kurzum, ein Hund war für mich ungefähr so notwendig wie Pickel am Hintern.

Das Leben hält jedoch immer wieder Überraschungen für einen bereit, die heimtückisch zuschlagen wenn man gar nicht damit rechnet.
Ich heiratete! (mal wieder)

Welten prallten aufeinander, Kontinente verschoben sich, denn die werte Gattin hatte gänzlich andere Erfahrungen mit Hunden und äußerte immer wieder den Wunsch einen solchen in die gesetzlich legitimierte Ehegemeinschaft mit auf zu nehmen.
Lange verteidigte ich standhaft die gemeinschaftliche Wohnung als hundefreie Zone, streute hier und da ein überzeugtes "NEIN" in Gespräche ein, die eindeutig in die (für mich) falsche Richtung verliefen und gab nach.

Ja, der erste Hund sollte in unsere gemeinschaftlichen 4 Wände einziehen.
Flugs wurden mir über Jahre heimlich gesammelte Unterlagen, Bilder und Internetausdrucke vorgelegt um mir eine Auswahl der zur Verfügung stehenden Kandidaten zu unterbreiten. Die Wahl fiel auf eine, mir gänzlich unbekannte, Dalmatinerhündin, die in einem Ostblockstaat in einer Tötungsstation auf die Hinrichtung wartete.

Gedanken schoßen mir durch den Kopf.
Was hat dieser Hund verbrochen daß ihn die Todesstrafe erwartet?
Kann man Mörder resozialisieren?
Wie wird sich das anfühlen wenn ich blutend im Wohnzimmer liege, der Lebensfunke erlischt, und als letztes Bild dieses Lebens ein Dalamtinerkampfgebiss sich meiner Kehle nähert?

Langsam wurde mir klar daß ich mit meiner Zustimmung mein eigenes Todesurteil unterschrieben hatte.
Die werte Gatting handelte schnell und erbarmungslos. Der Tag X näherte sich unerbittlich und dann war es soweit: Die Haustüre ging auf und ein freundlich wedelndes Wesen jagte die Katze durchs Wohnzimmer und nicht mich.
Erleichterung machte sich breit.
In den folgenden Tagen lernten Aleska und ich uns immer besser kennen. Regeln wurden aufgestellt, z.B. das bekannte Thema Hund auf dem Sofa, und ich bemühte mich mich daran zu halten und blieb dem Sofa fern wenn dieses durch den Hund belegt war. Im Gegenzug dazu verständigten wir uns darauf daß mein Abendessen auch tatsächlich mir selbst munden solle und eine gemeinsame Schlemmorgie nicht in Frage käme.
Wochenenden wurden gemeinsam mit Wanderungen, Radtouren oder Spaziergängen verbracht und Aleska war freundlicherweise immer bereit uns dazu mitzunehmen.
Ja, sie ging sogar in Krankheitszeiten der werten Frau Gattin mit mir hinaus damit ich etwas Auslauf bekomme und ich infizierte mich, mit dem Hundevirus.

Die Jahre zogen ins Land und in meinem Büro zogen zwei Doggen ein, das Thema Hund wurde zu etwas Alltäglichem, die beifällig vorgebrachten Wünsche nach einem zweiten Hund wurden heldenhaft mit dem bereits bekannt wirkungsvollen "NEIN" vereitelt und die herzallerliebste Gattin holte zum Todesstoss aus.

Stahlblaue Augen blickten mich auf dem Bildschirm an. Wieder ein unschuldig zum Tode Verurteilter hinter Gittern. Diesmal aus Spanien.
EL MUERTE! Husky seines Zeichens und schon auf den Bildern erkennbar ein Held.
Wie konnte ich einen Leidensgenossen im Stich lassen? Eine freiheitsliebende Seele, eingepfercht und dahinvegitierend.

Mein Vorschlag der Errettung wurde überraschenderweise recht schnell (eigentlich schon vor dem Vorschlag) angenommen und kurze Zeit später betrat ER stolz unsere gemeinsame Wohnung.

CHINOOK, ehemaliger Chef einer Hispano-Streetgang und auf den ersten Blick wurde mir klar:
Hier habe ich einen echten Verbecher vor mir. Einen Kühlschrankräuber und Katzenjäger! Yo Man.

Welch ein Unterschied zu Aleska, der Prinzessin mit der Treppenangst. Dieser Husky traf bei seinem lässigen Auftreten, seinem bedächtig überlegenen Gang, bei jedem Blick der blauen Mörderaugen eine umissverständliche Aussage: Leck mich am Arsch, Mensch!
Welch bewundernswerte Arroganz.
Wenn ich von des Tages harter Arbeit in den Kreis der Familie zurückkehrte, war mir neben der einschleimerischen Begrüssung durch die Hundedame auch eine verächtliche zur Kenntnissnahme meiner Anwesenheit gewiss. Ich war in SEIN Rudel aufgenommen worden. Welch anbetungswürdige Überheblichkeit. ER hatte es nicht nötig speichelleckend um meine Beine zu wuseln, schwanzwedelnde Ergebenheit zu heucheln oder sogar zu bellen.
Nein, ER war anwesend und gewährte uns wohlwollend die Gnade seiner Anwesenheit.

Bei Spaziergängen allerdings entwickelte er, vor den Bauchgurt geschnallt, eine Zugkraft die für mich immer wieder überraschend ist.

Mir war klar daß ich mich wieder an einem Wendepunkt meines Lebens befand.
Der Husky-Virus hatte zugeschlagen.

Wenige Monate später war es wieder an der Zeit ein unmissverständliches NEIN zu äußern und TAKODA-TEETONKA betrat die Bühne. Die bereits bekannten Bilder auf dem Bildschirm leiteten sein Autreten ein. Noch im Welpenalter, aber bereits mit dem Huskytypischen Merkmal ausgestattet:
Einer unbändigen Arbeitswut, die sich bei ihm durch das Zerlegen diverser Einrichtungsgegenstände äußerte.

Wer jemals erleben durfte wie ein Husky aufgeregt ins Geschirr gespannt darauf wartet endlich losziehen zu dürfen, wird verstehen daß diese Hunde ihre Aufgabe haben und ohne ziehen zu dürfen kein erfülltes Leben führen.

TAKODA besitzt noch nicht die Coolness eines fortgeschrittenen Husky-Chefs, aber die Verbrecher-Gene sind unübersehbar vorhanden und das ist es wohl was den Reiz dieser kälteliebenden Art ausmacht.

A propos kälteliebend:
Ich möchte feststellen daß meine Entscheidung für einen Schlafanzug und dem Wechsel das Schlafzimmers gar nichts mit der Tatsache zu tun hatte daß die Balkontür für unsere Herren Huskys auch während der Nacht geöffnet bleibt. Genausowenig ist meine neu entdeckte Leidenschaft für warme Skiunterwäsche und Pelzmäntel während der abendlichen TV Vergnügungen auf dem Sofa auf die offene Balkontür zurückzuführen.
Ich entdecke wohl nur im Moment den Naturburschen in mir.
Nichtsdestotrotz fühle ich mich wohl im kleinen Rudel. Ich übe auch fleißig ein wirkungsvolles "NEIN" (wenn ich alleine bin) und sammle Bilder von wolfsähnlichen Huskys auf meinem Computer. Irgendwann werde ich diese der werten Gattin am Bildschirm zeigen.

Und ein NEIN werde ich nicht akzeptieren!!!!